Zur Abwechslung ein kritisches Wörtchen?

Ist es nicht seltsam: Da hat doch die gesamte EU in vorauseilendem Gehorsam in ein Milliarden-Ding investiert, von der Kommission in Brüssel in einem Anfall ungebremster Regelungswut beschlossen und vom EU-Parlament abgenickt. Je gewaltiger die Kosten und der Arbeitsaufwand für alle Beteiligten, desto weniger wird offenbar hinterfragt, wozu das gut sein soll. Es sieht danach aus, daß die Meisten noch gar nicht "geschnallt" haben, was da auf sie zukommt.

Der digitale Fahrtschreiber wird von den Herstellern (und den Kontrollbehörden) bejubelt und es werden 10 und mehr "Vorteile" an den Haaren herbeigezogen, die eigentlich nur einen völlig Ah-nungslosen beeindrucken können; denn alles läuft stets auf Dasselbe hinaus: Mehr Kontrolle der Fahrer und auch der Unternehmer; und für Letztere erhebliche zusätzliche Kosten obendrein. Mittlere Fuhrparks können glatt Jemanden einstellen, der nur für das Sammeln, Sortieren, Aufbewahren, Archivieren und Überwachen von all dem zuständig ist, was jetzt anfällt. Eine unglaubliche Zumutung. Ein gigantisches, unproduktives Beschäftigungsprogramm, dieser digitale Fahrtschreiber. Und eine staatlich verordnete Abzocke: Fahrerkarten, Unternehmenskarten, Download-Hard- und -Software .....

Wenn man die EU-Verordnung 1360/2002 liest, muß man zu der Überzeugung kommen, daß die Kommission alle LKW-Fahrer für Banditen hält. Was wird jetzt nicht alles im Fahrtschreiber gespeichert! Sekundengenau die gefahrene Geschwindigkeit, ob die richtige, eine falsche oder gar keine Fahrerkarte gesteckt wurde, jede einzelne Aktivität, die der Fahrer tut oder nicht tut, aber hätte tun sollen - big brother is watching you - und das weit über 365 Tage lang! Unverständlich bleibt, daß bei so tief sitzendem Misstrauen doch tatsächlich der Alkohol- und Ermüdungssensor mit automatscher Bremsvorrichtung vergessen wurde, obwohl der sehr viel sinnvoller gewesen wäre, als sei-tenweise Informationen, ob der Fahrer 81 oder 82 km/h gefahren war, wo er doch ohnehin einen Begrenzer drin hat. Man könnte auf den Gedanken kommen, jeder Fahrer müsse vorher in Brüssel anfragen, ob er überhaupt jetzt losfahren darf.

Die Frage muß auch gestellt werden, wer sich denn jetzt diesen gigantischen Wust von Informationen von je 365 Tagen aller Fahrtschreiber aller Fahrzeuge der ganzen EU ansehen, geschweige wer das auswerten soll? Es gibt doch nicht einen Kontrollbeamten mehr durch diese Verordnung? Die Gewerbeaufsichtsämter (in Deutschland) wurden doch alle aufgelöst?

Auch die Frage drängt sich auf, wieso ein derart hochkomplexes digitales Gerät wieder einen Drucker haben muß? In das nur Papierröllchen mit Bauartgenehmigung eingelegt werden dürfen? Jetzt hat man ein vollelektronisches Gerät mit externer Schnittstelle und fängt wieder an, meterlange Kassenzettel auszudrucken? Wie in der Steinzeit der Datenverarbeitung! Da bekommen Fahrer, Unternehmer und Kontrollbeamte sich selbst einrollende Papierschlangen auf den Tisch und fangen an, Kreuzworträtsel zu lösen. "Piktogramme" und "Kombinationen von Piktogrammen": Wer? Mit wem? Wann? Womit? Wohin? Warum? Was heißt das alles überhaupt? Womöglich werden die Ausdrucke dann woanders wieder in die EDV eingegeben? Und die Zettelwirtschaft soll man auch noch 2 Jahre aufbewahren? Hätte man nicht statt zu drucken gleich Löcher stanzen können? Dann hätte man doch die alten Lochkartenleser wieder entmotten und verwenden können?

Absolut manipulationssicher soll das System sein? Das haben in unserem Internet-Zeitalter schon viele von ihrem System geglaubt. Es sollte mich überhaupt nicht wundern, wenn nicht innerhalb von 2 Jahren die ersten Laptop-Gestalten in den Raststätten auftauchen, die gegen Bares auf jede Fahrerkarte die gewünschten Inhalte kopieren. Mehr Sicherheit soll der neue Fahrtschreiber bieten? Welche denn? Weil er jetzt nicht mehr rund sondern viereckig ist?

Ich bin überzeugt, die alten Tachoscheiben hätte man lassen sollen und die Milliarden wären besser in wesentlich mehr Polizei-Kontrollen auf den Straßen angelegt gewesen. Viele, viele Hundertschaften hätte man in jedem EU-Land bis zur Rente damit finanzieren können und jeder einzelne Autofahrer hätte das Gefühl gehabt, daß jetzt wirklich und endlich mehr für die Sicherheit auf den Straßen getan würde.